HERZLICH WILLKOMMEN

... auf der Homepage des Ökumenischen Lebenszentrums Ottmaring. Hier informieren wir Sie über unser Leben und das, was uns bewegt.

 

Aus der Struktur unseres Zentrums (Familien und kleine Wohngemeinschaften) geht hervor, dass wir nur ausnahmsweise in der Lage sind, Gäste für kurze Zeiten zu beherbergen. Nähere Informationen dazu kann man bei einer der beiden Gemeinschaften, der Bruderschaft oder der Fokolar-Bewegung, einholen.

 

 

VERABSCHIEDUNG VON PFARRER FRANZ KNITTEL

Seit Ende März müssen wir verschmerzen, das Franz Knittel, ein Priester im Ruhestand, der mehr als zehn Jahre zum Priesterfokolar von Ottmaring gehört hat, aus gesundheitlichen Gründen schweren Herzens nach Leonberg bei Stuttgart umgesiedelt ist. Wir veröffentlichen hier ein Gedicht von Franz Knittel, der umfassend musisch begabt ist, malt, bildet, musiziert und dichtet.

 

NAHE ENGEL

 

Nicht immer haben Engel Flügel.

Sie leben neben dir ganz nah.

Sie nehmen liebend dich am Zügel,

lassen dich spüren: ich bin da.

 

Sie schweben nicht in Himmelswonnen,

sie kennen dich und deine Not.

Sie sagen: Bin dir wohlgesonnen,

auch wenn dir Leid im Leben droht.

 

Sie rufen in Erinn'rung wach,

was Gutes von dir ausgegangen

und lösen dich so nach und nach

aus Angst, in der du oft befangen.

 

Sie sehen dich mit guten Augen,

und das befreit dir selbst den Blick:

du könntest wirklich dazu taugen,

für andere zu sein ein Glück.

 

Wie Menschen-Engel dich auch sehen -

Gott sieht dich ganz - nur er allein,

und er allein wird dich verstehen,

wie sehr du wolltest mit ihm sein.

 

 

"POLITIK ALS BERUFUNG - EINE PERSÖNLICHE ANNÄHERUNG"

Darf Gott mitreden in der Politik? Kann man als Politiker fromm sein? Dürfen christliche Politiker Kompromisse machen? Wofür stehen Christen? Diesen vier Leitfragen folgte Annette Schavan, Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bildungsministerin, am 19.1. in ihrer sehr offenen und persönlichen Ansprache beim Neujahrsempfang vom Ökumenischen Lebenszentrum Ottmaring.    

 

Nachdem sich die unterschiedlichen Konfessionen im 16. und 17. Jahrhundert bis aufs Blut bekriegt haben, seien die Herrschenden zur Erkenntnis gelangt, dass der Staat nicht über die Religion wachen sollte, führte Schavan aus. Die Trennung von Kirche und Staat sei eine wertvolle Errungenschaft der europäischen Zivilisation, was nicht heißen müsse, dass sich die eine Seite nicht für die andere interessiere. Gott könne dennoch mitreden durch die Christen, die sich als gläubige Menschen in Politik und Gesellschaft engagieren.

 

"Der Sinn von Politik ist die Wahrung der Freiheit", zitierte Annette Schavan die jüdische Publizistin Hannah Arendt. Die Politik habe die Aufgabe, die verschiedenen Vorstellungen von Freiheit so zusammenzuführen, dass auch die Verantwortung für das Ganze wahrgenommen werde. Politiker und fromm passt offenbar für sie zusammen, allerdings seien bei bestimmten Themen Konflikte mit der Kirche vorprogammiert.

 

"Politik ohne Kompromiss ist schrecklich", lautete Schavans Antwort auf die dritte Frage. Ein Politiker müsse Spaß haben an der Vielfalt; es gebe nicht nur schwarz und weiß. Er müsse sich bemühen, die Überzeugungen anderer zu verstehen und zu respektieren. Die Fähigkeit, Kompromisse mit den politischen Gegnern zu machen, sei eine Frage der Verantwortungsbereitschaft.

 

Nach Schavan stehen Christen in der Politik beispielsweise für die Gabe der Unterscheidung, dafür, den Menschen als Geschöpf Gottes zu sehen, Grenzen zu setzen in der Selbstbestimmung, wann Leben anfängt und endet, die Hospizarbeit auszubauen, für eine Familienpolitik, die neben der Kinderbetreuung in der alternden Gesellschaft stärker auch die Senioren im Blick hat.

 

Mehrmals nahm Annette Schavan Bezug auf Gedanken des früheren Aachener Bischofs Klaus Hemmerle, der eine enge Beziehung zum Ökumenischen Lebenszentrum in Ottmaring hatte und dem sie sich unter anderem aufgrund ihrer gemeinsamen Zeit beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken sehr verbunden fühlt. Ihre Rede stand unter der Überschrift "Politik als Berufung - eine persönliche Annäherung". (Text: Clemens Behr, Fotos: Ursel Haaf)

FRAU DR.SCHAVAN BEI IHRER ANSPRACHE
H. LAUENROTH, H. ROMBERG, A. SCHAVAN, R. SIMON, B. HORNEBER

"IST CHRISTUS DENN ZERTEILT?"

Das Bild eines Leichnams, der von Gerichtsmedizinern seziert wird, dränge sich ihm auf, wenn er den Leitsatz der diesjährigen Gebetswoche für die Einheit der Christen nur für sich nehme: "Ist denn Christus zerteilt?" Mit der drastischen Gedankenverknüpfung begann der evangelisch-lutherische Altbischof Georg Güntsch (ehemaliger Bischof der ev. lutherischen Kirche in der Ukraine, von der Bruderschaft vom Kreuz) am Sonntagnachmittag, dem 19. 01., seinen Vortrag im Ökumenischen Lebenszentrum Ottmaring.

 

Der Zusammenhang, in dem der Apostels Paulus die Leitfrage stelle, mache deutlich, dass sich Paulus an eine zerstrittene Gemeinde wende, erläuterte Güntsch. Paulus rufe die Mitglieder zur Einmütigkeit auf und führe ihnen Christus als gemeinsamen Grund ihres Glaubens neu vor Augen. Übertragen auf die christlichen Konfessionen könne das heißen, ihre Unterschiedlichkeit als Gaben anzusehen, die sich gegenseitig ergänzen. ?Wenn alle in ihrer Unterschiedlichkeit zusammenkommen, sich aufeinander ausrichten, das wäre für mich Ökumene?, sagte Güntsch vor rund 130 Zuhörern.

 

Christus lasse sich nicht zerteilen, ist der Altbischof sicher, die Christen jedoch könnten die Trennung der Kirchen durch ihre Haltung und ihr Verhalten verstärken. ?Zur Einheit kommen wir, wenn wir eng bei Christus sind. Dann sind wir auch einander nah.?

 

Nach dem Vortrag folgten Beispiele für ein gelungenes Miteinander zwischen Christen unterschiedlicher Kirchen. So berichtete Fritz Wohlfahrt aus Königsbrunn von der Landeskirchlichen Gemeinschaft von einem Netzwerk geistlicher Gemeinschaften in der Region Augsburg. Ludger Elfgen aus Ottmaring, Mitinhaber einer Graphik-Design-Firma, stellte das gemeinsames Büro-Projekt ?Outside the Box? von mehreren christlich motivierten Unternehmern vor. Der Augsburger Regionalbischof Michael Grabow erzählte von einer Begegnung von 36 Bischöfen in Jerusalem im letzten November: ?Wir haben miteinander gelacht, Musik gemacht und darüber nachgedacht, was uns im Glauben verbindet.? Die Bischöfe vertraten mehrere Kirchen und unterschiedliche Ländern, darunter Irak, Brasilien und Australien. ?Ich habe mich von ihnen ganz aufgenommen gefühlt. Wir haben uns als Freunde erlebt, die sich zutiefst schätzen. Die gegenseitige Liebe, die Jesus Christus uns aufgetragen hat, führt über alle kulturellen und konfessionellen Grenzen hinweg. Er in unserer Mitte hält uns zusammen.?

 

 

Eine junge syrisch-orthodoxe Christin, seit zehn Wochen in Ottmaring, brachte Details vom Krieg in ihrer Heimat nahe. In den letzten Jahren musste sie miterleben, wie sich das normale, unbesorgte Leben in ihrer Stadt veränderte. Mittlerweile gibt es keinen Strom mehr, kein Heizöl, selten Wasser; wenn es Lebensmittel gibt, sind sie extrem teuer. Viele Firmen sind zerstört; immer wieder schüren Bomben- und Granatenexplosionen Überlebensangst. "Wenn wir das Haus verlassen, wissen wir nicht, ob wir wieder zurückkommen werden. Aber wir sind nicht allein. Wir glauben, dass Gott mit uns ist. Und wir versuchen, uns gegenseitig zu helfen." Zum Beispiel, in dem ihre Familie mit den muslimischen Nachbarn den Stromgenerator teilt. Die Syrerin selbst fühlt sich ganz von den katholischen und evangelischen Mitgliedern des Ökumenischen Lebenszentrums in Ottmaring angenommen und ist dankbar dafür.

 

Der "Ökumenische Nachmittag" endete mit einem gemeinsamen Gebet. Die Veranstaltung ist ein Beitrag zur Gebetswoche für die Einheit der Christen, die jährlich vom 18. bis 25. Januar oder zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten begangen wird.

 

 

 

 


 

 

 

ALDO STEDILE (FONS) 3.7.1925 - 30.9.2013

ALDO STEDILE UND BRUNA TOMMASI PFINGSTEN FRIEDBERG 1983

Fons hatte, gemeinsam mit Marco, Livio und Carlo, seinerzeit in jenem sagenumwobenen »Hühnerstall« das erste Männerfokolar in Trient eröffnet.

 

Gewiss haben alle, die ihn kannten, sein strahlendes Lächeln, seine
umwerfende Vitalität, seine Leidenschaft für das Ideal, seinen unermüdlichen Optimismus noch immer vor Augen...


Fons wurde als am 3. Juli 1925 als das zweite von zehn Kindern in einem Tal von Terragnolo oberhalb von Trient geboren.

 »Meine Mama und mein Papa - so erzählte er - waren tief gläubige Menschen. Beim Zubettgehen las unsere Mutter uns jeden Abend mit lauter Stimme einen Absatz aus der Bibel vor oder aus einer Heiligenbiografie oder einer anderen geistlichen Schrift..«

 

Er war künstlerisch sehr begabt, und wenn nicht der Krieg dazwischen gekommen wäre, hätte er an der  Kunsthochschule von Florenz studiert. Im Jahr 1948 lernte er durch Vale das Ideal kennen.

 

Später erzählte er davon mit den folgenden Worten: »Das Treffen mit ihr war für mich eine Ofenbarung! Ich bin Gott begegnet! Und von da an war alles anders!« Als Vale ihm später vom Verlassenen Jesus erzählte, kommentierte
er: »Jetzt verstehe ich! Das ist die Lösung, die mir gefehlt hat... Ich wusste wohl, dass Schwierigkeiten, Prüfungen, Zweifel, Unverständnis, Versagen auf mich warteten, aber ich wusste auch, dass ich davor keine Angst zu haben brauchte. Ich war erfüllt von einer nie gespürten, heiteren Kraft.«

 

Bei einem persönlichen Gespräch mit Chiara im Frühjahr 1949 bestätigt diese ihm seine Berufung zum Fokolar; Ende Juni geht er nach Trient und beginnt dort im Fokolar sein neues Abenteuer. Später schreibt er darüber: »Ich erinnere mich, dass Chiara 1949 immer wieder mal nach Trient herunter kam, um
denen von den Erlebnissen in den Bergen zu erzählen, die auf Grund ihrer Arbeit nicht dabei sein konnten. Einmal trafen wir uns im Garten von Silvanas Eltern und sie erzählte uns von da oben... Ich war so futsch und weg, dass ich ins Gras fasste, um mich zu vergewissern, dass wir noch auf dieser Erde waren...«

 

Und genau das gab er auf intelligente Weise großzügig an alle weiter, denen er in seinem Leben begegnete, hatte es ihn doch selbst sein ganzes Leben lang getragen und begleitet.
Künftige Etappen nicht nur seines Lebens, sondern auch des Lebens der Bewegung in ihrer Entwicklung waren neben Trient auch Rom, Brüssel, Köln, München, Ottmaring, die Mariapoli Romana... Gemeinsam mit Antonio Petrilli wurde er am 13. Juni 1963 zum Priester geweiht.

 

Von besonderer Bedeutung waren die zwanzig Jahre, die er in Deutschland lebte. Gemeinsam mit Bruna hat er mit aller Kraft das Ideal weiter gegeben und schließlich, in enger Einheit mit Chiara, die ökumenische Siedlung von Ottmaring ins Leben gerufen.

 

Damals schrieb er: »Ich glaube, ich habe gestern Abend zum ersten Mal verstanden, was es heißt, ohne jegliche Sicherung unter den Füßen ins Leere, in die Dunkelheit hinein zu bauen. Wenn mir das Licht fehlte, habe ich meistens gezaudert. Aber gestern Abend wurde mir mit einem Mal klar, worin unsere Berufung besteht: Das Licht (nämlich Gott) aus der Dunkelheit (dem
Verlassenen Jesus) heraus zu graben. Ich erinnerte mich an etwas, was ich einmal - womöglich von dir selbst - gehört hatte: Solange wir den Boden unter den Füßen spüren, lässt sich gut laufen. Wenn wir ihn nicht mehr spüren, müssen wir fliegen.«

 

Ab 1984 überträgt Chiara ihm am Zentrum des Werkes die Verantwortung für die Freiwilligen Männer, eine Aufgabe, die er mit gewohnter Begeisterung erfüllt.

 

Er schreibt an Chiara: »Als wir von der Berufung der Freiwilligen sprachen, hatte ich ganz stark den Eindruck, dass mir, angesichts seines 'göttlichen Ursprungs', völlig die Worte fehlten, um das Leben des Werkes auch nur annähernd zu beschreiben. Gleichzeitig musste ich mir fast Gewalt antun, um nicht hinauszurufen, wie sehr hinter jedem Detail, hinter jeder seiner
Berufungen und Strukturen das Paradies, die Dreifaltigkeit, Maria auf menschlich schier unvorstellbar konkrete Weise deren Ursprung sind...«

 

In den letzten Jahren hat eine Krankheit ihn mehr und mehr geschwächt ohne ihn jedoch in der Tiefe seiner Seele zu beeinträchtigen. Als ein Arzt ihn im Februar 2010 auforderte, spontan einen Satz zu formulieren, um seine kognitiven Fähigkeiten zu testen, schrieb er ohne auch nur einen Moment zu zögern: Lieben - immer, überall, alle!

 

Sein Wort das Lebens war: »Wer an mich glaubt, aus dessen Inneren werden Strömen lebendigen Wassers fließen.« (Joh, 7,38) Zusammen mit seinem neuen Namen, Fons, vermittelt es einen klaren und leuchtenden Eindruck von jenem Brunnen voll Licht und Weisheit, der er für uns alle gewesen ist.

                                                                                        Maria Voce (Emmaus)

 

 

 

 

NEUJAHRSEMPFANG AM 19. 1. 2014

Frau Dr. Annette Schavan zu Besuch in Ottmaring

 

 

 

 

Doris Scheimann, Fokolarin (17. 10. 1956 - 7. 11. 2013)

"Jeder, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker um meinetwillen oder um des Evangeliums willen verlässt, wird das Hunderfache dafür erhalten ... und in der kommenden Welt das ewige Leben."    (Markus, 10, 29-30)


Ökumenisches Lebenszentrum Ottmaring Geschichte und Vision